Der ÖSKM-Klartext-Index sammelt laufend die Presseaussendungen des Parlaments und der Landespressedienste und wertet sie jede Woche aus. Für diese Ausgabe waren es 651 Aussendungen aus dem Zeitraum 14. Oktober 2026 bis 28. Oktober 2026. 55 Prozent davon gelten nach der Wiener Sachtextformel als schwer verständlich. Weil ein Gesetzesbericht naturgemäß schwerer zu lesen ist als eine Meldung über einen Kreisverkehr, vergleicht der Index jede Aussendung nur mit Texten derselben Art. So betrachtet schreiben Kärnten und Wien gleichauf am verständlichsten, Steiermark am kompliziertesten.
Das Österreichische Institut für systemische Kommunikations- und Mediengestaltung (ÖSKM) befasst sich mit verständlicher Kommunikation. Den Klartext-Index veröffentlicht es laufend als Service für Bürgerinnen und Bürger. Er soll dazu beitragen, dass Pressetexte und Behördenschreiben verständlicher werden. Und er zeigt, wer schon heute klar und gut lesbar schreibt.
Am schwersten zu lesen sind Texte der Art „Wirtschaft, Umwelt & Energie“ (Wert 12,8), am leichtesten „Kultur, Sport & Veranstaltungen“ (11,7).
Ein durchschnittlicher Satz in den untersuchten Aussendungen ist 17 Wörter lang. Das liegt im oberen Bereich: 15 bis 20 Wörter gelten als Obergrenze für gut lesbare Texte, nicht als Zielwert. Rund 15 Prozent aller Sätze haben mehr als 25 Wörter, nur 10 Prozent kommen mit acht Wörtern oder weniger aus.
Verständlich wird ein Text aber nicht nur durch kurze Sätze, sondern durch Abwechslung: ein kurzer Satz, dann ein längerer. Den lebendigsten Satzrhythmus hat Salzburg, am gleichförmigsten schreibt das Parlament. Dort haben nur 7 Prozent der Sätze acht Wörter oder weniger.
Den längsten Satz des Zeitraums – Aufzählungen nicht mitgerechnet – lieferte Tirol mit 50 Wörtern.
Am häufigsten fielen die Floskeln „im Rahmen“ (151×), „nachhaltig“ (131×), „umfassend“ (82×).
„Wenn Behörden Bürgerinnen und Bürger erreichen wollen, müssen sie so schreiben, dass ihre Texte beim ersten Lesen verständlich sind. Kurze Sätze und Verben statt Hauptwörter sind eine Frage des Respekts“, sagt Markus Feigl, Direktor des ÖSKM.
Jede Aussendung wird nur mit Texten derselben Art verglichen. Ein Gesetzesbericht konkurriert also mit Gesetzesberichten, nicht mit einer Meldung über einen Kreisverkehr. Zeitraum: 14. bis 28. Oktober 2026. 0 = so verständlich wie üblich (grau). * weniger als 30 Texte im Zeitraum, Wert noch unsicher.
Zeitraum: 14. bis 28. Oktober 2026. Wiener Sachtextformel, Median je Absender (Skala ausschnittweise 10–14; Gesamtskala 4 = sehr leicht bis 15 = sehr schwer). Ab 12 gilt ein Text als schwer verständlich. * weniger als 30 Texte im Zeitraum, Wert noch unsicher.
Zeitraum: 14. bis 28. Oktober 2026. Wiener Sachtextformel, Median je Textart über alle Absender. Darum braucht es den fairen Vergleich.
Rohwerte (Wiener Sachtextformel, Median), nur abgeschlossene Wochen 2026 (Skala ausschnittweise 11–13,3). Farbig: Kärnten und Steiermark, wie in der Schlagzeile. Mit der Maus über eine Linie oder einen Namen fahren, um sie hervorzuheben. Wird jede Woche ergänzt.
| Absender | Texte | WSTF | bereinigt | schwer | Wörter/Satz | Sätze >25 W. | Sätze ≤8 W. | Rhythmus | Nominalstil | Passiv-Sätze | Floskeln/1000 W. | häufigste Textart |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kärnten | 68 | 11,7 | -0,7 | 40 % | 17,0 | 14 % | 10 % | 0,40 | 4,9 % | 8 % | 3,2 | Gesundheit 34 % |
| Wien | 113 | 11,6 | -0,7 | 35 % | 16,7 | 13 % | 11 % | 0,43 | 5,1 % | 8 % | 3,2 | Gesetzgebung 33 % |
| Salzburg | 59 | 11,8 | -0,4 | 47 % | 15,9 | 13 % | 15 % | 0,46 | 5,5 % | 9 % | 3,2 | Budget 19 % |
| Tirol | 58 | 12,0 | 0,0 | 50 % | 17,3 | 15 % | 11 % | 0,44 | 5,1 % | 7 % | 3,3 | Gesundheit 26 % |
| Oberösterreich | 59 | 12,3 | 0,0 | 58 % | 16,4 | 12 % | 12 % | 0,42 | 5,7 % | 8 % | 3,4 | Gesundheit 25 % |
| Burgenland | 40 | 12,2 | +0,0 | 58 % | 17,6 | 15 % | 9 % | 0,40 | 5,5 % | 8 % | 4,0 | Gesundheit 35 % |
| Niederösterreich | 90 | 12,3 | +0,3 | 58 % | 17,5 | 15 % | 9 % | 0,41 | 5,0 % | 7 % | 3,8 | Kultur 29 % |
| Vorarlberg | 40 | 12,9 | +0,5 | 68 % | 16,6 | 13 % | 11 % | 0,41 | 5,7 % | 7 % | 3,3 | Sicherheit 18 % |
| Parlament | 89 | 13,0 | +0,6 | 74 % | 18,9 | 21 % | 7 % | 0,38 | 6,8 % | 9 % | 1,9 | Gesetzgebung 93 % |
| Steiermark | 35 | 13,2 | +0,9 | 83 % | 18,4 | 22 % | 10 % | 0,45 | 5,9 % | 11 % | 4,3 | Ehrungen 37 % |
Ein ganz normaler Satz mit Haupt- und Nebensätzen – keine Aufzählung, keine Reihung, kein Zitat, kein Einschub.
Tirol: Alpenländer: gemeinsam für mehr Energieunabhängigkeit, 50 Wörter
Es wurde unter anderem der Auftrag für einen jährlichen Datenaustausch und -abgleich auf Ebene der ARGE ALP-Mitgliedsländer erteilt, um einen Überblick über die Entwicklung der Populationen großer Beutegreifer in den Alpen sowie zu den mit der Präsenz von Großraubtieren verbundenen Auswirkungen auf die Berglandwirtschaft und die Almwirtschaft/Alpwirtschaft zu erhalten.
Anzahl der Aussendungen, in denen die Wendung vorkommt.
Quellen: Pressemeldungen, die das Parlament und die Länder Wien, Kärnten, Salzburg, Tirol, Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich, Vorarlberg und Steiermark veröffentlichen. Ausgewertet werden Texte ab 400 Zeichen, ohne Kontakt- und Fußzeilen, Tagesordnungen und Terminvorschauen. Gezählt werden nur vollständige Sätze, Überschriften und Aufzählungen nicht.
Wiener Sachtextformel (Bamberger/Vanecek): 0,1935 × Anteil Wörter mit 3+ Silben + 0,1672 × mittlere Satzlänge + 0,1297 × Anteil Wörter mit mehr als 6 Buchstaben − 0,0327 × Anteil einsilbiger Wörter − 0,875. Längster Satz ohne Aufzählung: Nebensätze und Infinitivsätze (…, um … zu) zählen mit. Ausgeschlossen sind Aufzählungen, Reihungen (zwei oder mehr Kommas, nach denen kein Nebensatz, sondern ein weiteres Satzglied folgt), Listen in Klammern, wörtliche Rede, Doppelpunkt, Strichpunkt und Gedankenstrich-Einschübe. Aufzählung: Ein Satz gilt als Aufzählung, wenn er aus mindestens acht kurzen Gliedern besteht (Komma oder Strichpunkt, im Mittel höchstens sieben Wörter, Klammern nicht mitgezählt) oder nach einem Doppelpunkt eine Spiegelstrich-Liste enthält. Sätze mit wörtlicher Rede gelten nie als Aufzählung. Rhythmus: Schwankung der Satzlängen innerhalb eines Textes (Standardabweichung geteilt durch mittlere Satzlänge, Median je Absender). 0 = alle Sätze gleich lang; höhere Werte = mehr Wechsel zwischen kurzen und langen Sätzen. Nominalstil: Anteil der Hauptwörter auf -ung, -heit, -keit, -ion, -ität, -ismus, -nahme. Passiv-Sätze: Sätze mit „werden/wurde“ und Partizip (Näherung). Floskeln: feste Liste typischer Pressefloskeln je 1000 Wörter. Alle Verständlichkeitswerte werden automatisch und ohne KI berechnet.
Faire Bereinigung nach Textart: Ein lokal betriebenes KI-Sprachmodell (qwen2.5, ohne Cloud) ordnet jede Aussendung einer von acht Textarten zu (z. B. Gesetzgebung, Bau & Verkehr, Ehrungen). Die KI bewertet dabei nichts, sie sortiert nur. Für jeden Text wird die Differenz zum Median seiner Textart über alle Absender berechnet. Der bereinigte Wert eines Absenders ist der Median dieser Differenzen: Werte unter 0 bedeuten verständlicher als für diese Art von Text üblich.
Parlamentskorrespondenz: Daten der Parlamentsdirektion, Lizenz CC BY 4.0.
Abdruck mit Quellenangabe „ÖSKM-Klartext-Index“ ausdrücklich erwünscht. Datenanfragen über www.oskm.at